Rund um die Hardangervidda

Sommer 2003

Wie schon im vergangenen Jahr entnahmen wir die Anregung zu unserem diesjährigen Urlaubsziel dem Outdoor-Magazin. Und auch diesmal war es ein Volltreffer!
Die Besatzung
Unter dem Motto "Gemeinsam entdecken wir die Vidda!" zogen wir zu Sechst mit 2 Autos und 3 Zelten los. Wir wollten in Tageswanderungen die Hardangervidda wenigsten in den Randregionen kennnenlernen. Um ehrlich zu sein, wir hatten echte Bedenken, ob wir es mit Rucksack, Zelt, Proviant und allem was man unterwegs braucht, schaffen würden. Deshalb entschieden wir uns für diese Variante und haben es nicht bereut. So konnten wir die Annehmlichkeiten eines gut bestückten Kofferraums mit der Faszination des Wanderns in die Bergwelt verbinden. Wir brauchten weder bei der Ausrüstung, den Sachen noch der Verpflegung knausern. Das hat auch seine Vorteile, bekanntlich sind die Witterungsbedingungen nicht immer optimal und Wandern macht Hunger!

Bei herrlichem Sommerwetter fuhren wir über Göteborg, Moss -Horten (Fähre) Richtung Kongsberg. Wir entschieden uns durch`s Numadal Richtung Geilo zu fahren. Diese Strecke bietet eine herrliche Kulisse und außerdem die Möglichkeit, zwischendurch ein Bad zu nehmen. Erste Begeisterung löste die Fjelllandschaft kurz vor Geilo aus. So hatten wir uns das vorgestellt!

Die Suche nach einem Zeltplatz war dann allerdings frustrierend und fast hätten wir aufgegeben. Das ist der Nachteil, wenn man nicht weiss, was noch kommt. Ziemlich spät fanden wir endlich eine Zeltmöglichkeit kurz hinter dem Laegreidvatnet. Es muss in diesem Jahr auch in Norwegen bis dahin wenig geregnet haben, denn die typische Schmodderlandschaft war trocken und in den Seen war relativ wenig Wasser.

Mückengesellschaft unser 1. Zeltplatz
Gleich am ersten Abend konnten wir die Bekanntschaft mit vielen netten Mückenmännern machen. Sie flogen wie wild auf dunkle (wirklich nur dunkle!!) Sachen, ließen sich darauf nieder und liefen umher.Das war`s dann. Daraus schlossen wir, das es Männer waren, die Damen hätten uns aufgefressen!

Dieser Platz war als Ausgangspunkt unserer 1. Wanderung in die Hardangervidda ideal, denn wir waren schon mittendrin. Im Nachhinein können wir diesen Einstieg nur weiter empfehlen.

Wegmarkierung
  • Die Wanderung begann gleich neben unserem Zeltplatz und führte uns zuerst in Richtung Heinseter. Das rote T konnte man nicht übersehen, den Weg hier also auch nicht verfehlen. Doch wir wollten gar nicht bis Heinseter, sondern hielten uns rechts, um auf einen der Gipfel zu gelangen. Was man von weitem nicht sieht, das Gelände ist ziemlich steinig, mit Moos darüber. Das Vorwärtskommen ist beschwerlich, doch wir wollten es ja so.
Verwundert stellten wir fest, wohin wir auch sehen, überall sind Seen und Bäche. So viel Wasser hatten wir nicht erwartet. Die Anstiege hielten sich hier in Grenzen . Unterwegs
Leider fing es nach etwa 3 Stunden an, zu regnen. Damit wurden die Bedingungen recht schlecht, denn das nasse Moos auf den Steinen ergab eine ideale Schlitterbahn. Wir kehrten um und liefen zu den Zelten zurück. Insgesamt waren wir 4 Stunden unterwegs und für den Anfang war es ausreichend. Ein Büromensch muss sich an solche "Strapazen" erst gewöhnen!! Unsere Begeisterung war grenzenlos und auch vom Regen nicht zu verwässern. Was
von Weitem so grau und eintönig aussieht, ist beim näheren Hinsehen eine Vielfalt von Farben und Pflanzen, die jedoch etwas klein geraten sind. Auch einen ersten Eindruck von der Weite dieser Hochebene konnten wir gewinnen. Unsere Wanderlust war geweckt!
  • Das nächstes Ziel war ein Zeltplatz am Eidfjordvatten. Auf der Fahrt dahin, konnten wir noch einen begehrlichen Blick zum Hardangerjökulen werfen und natürlich in Fossli auf den Vöringfossen.
Planungen
Der Zeltplatz in Övre Eidfjord am Eidfjordvatten ist billig und gut. Für uns wichtig: man kann baden gehen. Wir hatten jedoch den Eindruck, als wären wir die einzigen, die dieses Bedürfnis verspüren. Der Ehrlichkeit halber muss gesagt werden, dass das Wasser direkt aus dem Gebirge kommt und nicht so sehr warm ist! Doch wir finden es als Muntermacher am Morgem und Abkühlung nach dem Wandern herrlich.
Wohin wollen wir?!
  • Von hier aus fahren wir durch das Hjölmodal zum Ausgungspunkt unserer nächsten Wanderung mit dem Ziel Valursfossen und Viveli.

Vom Parkplatzan ist das Ziel ausgeschildert und nicht zu verfehlen.

Blick zum Eidfjord
Der Weg führt auf und ab, so das man oft einen herrlichen Über-und Ausblick hat.

Am Valursfossen machen wir eine größere Pause.

Auf dem weiteren Weg zur Fjellstuga Viveli merken wir, das wir höher kommen, denn die Bäume werden seltener, kleiner und verkrüppelter. Wir machen eine weitere Pause am Veig, laufen aber nicht bis zur Fjellstuga. Den Rückweg wählen wir direkt zum Parkplatz, um nicht die gleiche Strecke laufen zu müssen. Ein paar Steigungen bringen uns ganz schön ins Schwitzen, doch das wollten wir ja wohl! Oben auch hier herrliche Ausblicke auf die Berge, die uns für alle Anstrengungen entschädigen. Nach etwa 6 Stunden sind wir wieder am Auto und fahren zum Zeltplatz zurück.
Mutprobe!
  • Eine Wanderung auf dem alten Pfad zum Bergbauernhof Kjeasen hoch über dem Simafjord hatten wir natürlich auch auf dem Programm. In unserem Reisetaschenbuch ist die Tour beschrieben und man findet den Ausgangspunkt gleich neben dem Simakraftwerk gut. Begibt man sich auf den Weg, kann man das Ziel eigentlich nicht verfehlen, denn eine Alternativroute gibt es meiner Meinung nach nicht. Der Weg ist steil und anstrengend. Er erfordert an einigen Stellen Mut und Überwindung weiterzugehen. Doch die Entscheidung ist leicht, ein Zurück ist noch schlimmer, also klettert, steigt, balanciert und kraxelt man nach oben. Für uns Flachländer ist es unvorstellbar, das bis vor noch gar nicht langer Zeit die Schulkinder diesen Weg täglich gelaufen sind.
Blick aud den Simafjord
Badefreuden
Das Bad im Bach war herrlich, allerdings verursachten wir damit einen kleinen Auflauf. Wir hatten nämlich nicht gesehen, das man uns von oben beobachten konnte!
Vielleicht war der eine oder andere aber auch neidisch, denn die Abkühlung nach dem Aufstieg war eine Wohltat! Wir konnten anschließend den Blick über den Simafjord in vollen Zügen genießen!
  • Unser nächstes Wanderziel sollten die 4 Wasserfälle des Husedalen sein. Das Wetter ist zwar nicht überzeugend, doch was soll`s, wir haben Urlaub und meckern nicht! In Kinsarvik ist der Weg ins Husedalen ausgeschildert, man findet ihn ohne Probleme. Wir fuhren mit den Autos bis zum Kraftwerk am Tweitafossen. Von dort wandern wir zuerst parallel zum Fallrohr nach oben. Da es geregnet hat, ist es jedoch glatt und der dichte Bewuchs läßt unsere Hosen klatschnass werden. Nach kurzer Strecke biegen wir also auf den Fahrweg ab. Dieser führt stetig bergauf. Wir laufen außerdem in den
Hört ihr den Wasserfall!! Wolken, so das der Ausblick stellenweise gleich Null ist. Den 2. Wasserfall der Wanderung, den Nyastölfossen können wir gut hören, sehen ihn aber nur kurz, dann ist er wieder im Nebel verschwunden. Wir wandern trotzdem weiter und werden wenig später für diesen Entschluß mit Sonne belohnt.
Der 3. Wasserfall, der Nykkjesöyfossen liegt an einer wunderschönen Alm. Es soll unsere Endstation sein. Hier können wir uns Zeit für eine längere Pause lassen.

Auf dem Rückweg sehen wir uns dann an, was wir vorher verpaßt hatten!

  • Wir fahren weiter am Sörfjord in Richtung Odda. Eigentlich wollten wir irgendwo unser Zelt aufstellen, doch es gibt bis Odda keinen Zeltplatz und auch keine Möglichkeit zum wilden Zelten. Also fahren wir bis Odda. Der Zeltplatz ist gut ausgeschildert.
Er liegt am Rande des Ortes nahe am Sandvinwatten. Die Preise sind erschwinglich und es gibt frische Brötchen!
Auch hier sind wir die einzigen, die ein Bad im See nehmen. Hinterher wissen wir, warum. Der Gletscherbach vom Buarbreen mündet etwa 500m entfernt in den See. Nach dem Bad waren wir jedenfalls wach!!
  • Odda ist idealer Ausgangspunkt für eine Wanderung zum Buarbreen. Man kann bis zum Bauernhof mit dem Auto fahren und von dort aus dem mit dem "T" ausgeschilderten Weg folgen.
Der Weg ist steinig und zum Teil steil. Man muß auf jeden Fall feste Schuhe haben, auch, um trocken durch einige Bäche zu kommen.
Weiter oben wird dann wieder etwas Mut und Geschick verlangt, wenn es über die Sommerbrücke geht und an den Seilen nach oben gehangelt werden muß.
Doch wir kommen oben an und sind erstaunt, wie viel Wasser unter dem Eis hervorsprudelt. Gletscher haben wir auf Fotos natürlich schon gesehen und können nun bestätigen, sie sehen auch in Natura hellblau aus. Allerdings ganz schön dreckig, obwohl es doch in Norwegen so sauber ist!!

Der Rückweg wird beschwerlich, denn es regnet und die Felsen und Steine sind glatt.

Übrigens sind nicht nur feste Schuhe wichtig, auch lange Hosen und einen Pollover haben wir oben gebraucht, denn der Wind wehte eiskalt vom Gletscher.

  • Von Odda aus fuhren wir weiter entlang der Fjorde in Richtung Haugesund , denn Sören und Dietmar wollten sich die gute Möglichkeit zum Angeln nicht entgehen lassen. Verständlich, auch für nichtangler! Sie hatten Erfolg!
  • Zurück ging es dann durch`s Saudafjell, ein beeindruckendes, kahles, möhliges Gebirge Richtung Haukeliseter. Auch auf dieser Strecke mußten wir mehrmals anhalten, um die Aussichten zu genießen.
  • Auch die Telemark ist sehr schön, kann aber mit der Faszination der Hardangervidda nicht ganz mithalten. (Oder bin ich nur voreingenommen?)
Unser Fazit aus diesem Urlaub:
  • Wenn man einmal so am Rande der Hardangervidda gewandert ist, verspürt man den Wunsch, es doch einmal etwas weiter hinein zu wagen. Wir kommen wieder und dann wollen wir weiter hinein. Jetzt haben wir den Mut, mit Rucksack und Sack und Pack etwas weiter zu wandern. Es muß ja nicht gleich ganz durch sein, aber von 2 Seiten bis zur Mitte!!
  • Die Straße 7 hat sich als idealer Einstieg für uns erwiesen. Man findet hier die Möglichkeit, das Auto abzustellen und loszuwandern. Die Fjellhütten an der Straße sind bei schlechtem Wetter auch eine Alternative zum Zelt.
  • Die Mücken sind nur halb so schlimm gewesen, wie vorhergesagt!
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