Wandern auf dem Peer-Gynt-Stieg

Unser gelber Punkt.
Für 6 Tage war im August 2005 der Peer-Gynt-Stieg unser Weg. Die gelbe Markierung begleitete uns permanent, Wegweiser waren die Ausnahme. Weg ist vielleicht etwas übertrieben, es war wirklich nur ein Pfad, und ohne die gelben Markierungen hätten wir an manchen Stellen nicht gewußt, wo es weiter geht.

Ausgangspunkt war "Skei-Appartement", wo wir vorher übernachteten und unser Auto stehen lassen konnten. Von hier ist der Einstieg zum Pfad gekennzeichnet.

Begleiteten uns anfangs noch Büsche , änderte sich das Landschaftsbild schnell und die Vegetation wurde niedriger. Die Blaubeeren sahen lecker aus, doch wir mußten sie hängen lassen -wir kamen mit den Rucksäcken so schlecht ran! Da es unsere erste Rucksacktour war, mußten wir uns erst einmal an die veränderten Gewichtsverhältnisse gewöhnen. Der Schritt wurde schweren, ein leichtfüßiges Überspringen kleiner Bäche nicht möglich und insgesamt wurde unser Wandertempo langsamer. Dafür fielen die Pausen weg! Einmal brauchten wir so schnell keine , zum anderen begleitete uns anfangs Nieselregen .

Gemächlich ging es in der ersten Etappe bergauf, gerade so viel, das wir gut laufen konnten. Leider konnten wir nicht sehr weit sehen, doch waren wir auch so von der Landschaft begeistert. Obwohl es ja wirklich nicht viel zu sehen gibt - auch farblich nicht! Berge, Täler, Bäche, Seen - alles eingebettet in Moos in den Farben von grün bis grau in allen möglichen Schattierungen. Und eine Ruhe! Ab und zu wurde sie unterbrochen durch das Bimmeln der Schafe mit ihren Glocken um den Hals. Schafe wren auch die einzigen Tiere, die wir zu sehen bekamen.

Unseren ersten Schlafplatz suchten wir hinter einer Hütte, denn es war kalt, windig und regnerisch.

So haben wir uns Fjell vorgestellt!
Ausblicke ins Grüne!
Ziemlich windig, unser Platz!
Der 2. Tag begann trocken, wenn sich die Sonne auch noch nicht zeigte. Wir mußten feststellen, das unser Pfad ein Wasserweg war. Auch kleine Bäche waren recht breit geworden und die Seen schienen überlaufen zu wollen. Auch am 2. Tag ging es bergauf. Gegen mittag kam sogar die Sonne durch und wir hatten von oben herrliche Ausblicke ins Fjäll. Immer wieder stellten wir fest, wie viele verschiedene Grüntöne diese Landschaft zu bieten hat. Nichts hier war aufregend, alles ruhte in sich selbst, es war herrlich! Um den See Storrogna mußten wir herum, dann ging es steiler bergan, wir kamen ganz schön ins schwitzen. An den Rucksack hatten wir uns gewöhnt. Er drückte nirgends, Knie- oder Rückenprobleme hatten wir auch nicht. Wir genossen den Ausblick von oben und freuten uns auf die Rast in der Fjellstue von Fagerhoi. Hinterm Berg änderte sich auch die Landschaft wieder. Erst steilere Felsen, dann eine Hochebene und auf einem Hügel unser Ziel!

Die Fjellstue hat einen großen Speisesaal, der zu dieser Jahreszeit fast leer war. Hier ist im Winter Hochbetrieb, wenn die Loipen und Pisten dieser Gegend bevölkert sind. Wir genossen den Kaffee und die Aussicht, stillten unseren "Süßhunger" mit Apfelkuchen, benutzten schnell die Sanitäranlagen und konnten dann weiter ziehen. Leider hat die Sonne nur ein Zwischenspiel gegeben und die dunklen grauen Wolken hingen wieder beängstigend tief. der Aufstieg zum Kantliknappen bescherte uns Feuchtigkeit von innen und außen! Wir fanden es schade, das die Aussicht begrenzt war. Außerdem war es windig und kalt, so das wir diesen netten Ort schnell hinter uns ließen. Danach tauchten wir in einen "Gespensterwald" ein. An den Birken hingen dunkle und helle Flechten herab, die im Regen wirklich gespenstig aussehen. Hell und bimmelnd waren nur die Schafe, auch hier allgegenwärtig! Unser nächstes Ziel war die Lauvasen Fjellstue. Freundlich wurden wir hier aufgenommen, obwohl wir wahrlich in unseren nassen, dreckverschmierten Sachen nicht einladend aussahen! Nach einem hervorragenden Kaffee ging es dann auf Schlafplatzsuche. In der Karte ist eine Übernachtungshütte eingezeichnet, doch anders als in Schweden kann man hier nicht darin übernachten. Es ist ein Lavvu, eine ähnliche Hütte, wie sie die Samen haben. Wir haben sie kurzerhand zum Esszimmer umfunktioniert. Es war wenigstens trocken. Wir haben mit uns gekämpft, ob wir das Feuerverbot im Sommer bei dieser Kälte nicht mißachten sollten - das nasse Holz nahm uns die Entscheidung ab!

Fagerhoi in Sicht!
Unser Appartement.
Weite Sumpfflächen
Regen! Wir waren froh, das wir im Lavvu frühstücken konnten. Der Blick zum Himmel verhieß absolut nichts Gutes! Na, wir waren unterwegs und mußten weiter. Die 1.Etappe unseres 3. Wandertages führte durch weite Sumpfflächen. Hier ist es naturgemäß schon feucht, nach dem 6. oder 7. Regentag hier oben war es nicht nur feucht, es war naß! Von der Landschaft bekamen wir gar nicht sehr viel mit, der Blick aus der Kapuze ist begrenzt und wir mußten immer auf den Weg achten. Der Weg war eigentlich auch ein Bach geworden, wir mußte zusehen, das wir das Wasser nicht in die Wanderstiefel bekamen. Etwa 3 km vor Gala kam ein Lavvu in Sicht - hier konnten wir Pause machen. Bekanntlich hält ja Essen und Trinken Leib und Seele zusammen! Und es hebt die Moral merklich!! Vor Gala ging es noch einmal bergauf, das erste Mal an diesem Tag. Schafe und Regen waren treue Wanderbegleiter. In Gala wollten wir unserer Verpflegung ergänzen, es ist die einzige Möglichkeit zum Einkaufen auf der Tour. Es goß in Strömen, wir ernteten mitleidige Blicke und waren dabei gar nicht bemitleidendswert. Wir hatten nämlich den Beschluß gefaßt, uns hier und heute ein Ferienhaus zu mieten. Es war uns ganz einfach zu nass! Wie sich herausstellte ein schwieriges und kostspieliges Unterfangen. Gerade am Wochenende vom 10.-13.8. fanden hier nämlich die Peer-Gynt-Festspiele statt. Wir bekamen ein Ferienhaus für 8 Personen!! Ruck-Zuck hatten wir all unsere nassen Sachen über sämtliche zur Verfügung stehende Möbelstücke gehangen und konnten uns für den Rest des Tages der Körperpflege - Sauna!- und dem Essen und Trinkem widmen!
Wenn schon, denn schon! Wir schlemmerten heute zum Frühstück - mit frischen Brötchen und ganz viel Butter drauf! Das Müsli blieb uns für die nächsten Tage ja erhalten. Die nächste Etappe wandelten wir etwas ab. Wir liefen nicht auf dem Peer-Gynt-Pfad, der wieder durch Sumpfflächen führte, sondern nahmen den Weg am Galavatnet entlang. der Weg war eine gute Alternative und das Wetter wurde auch von Stunde zu Stunde besser. Wir konnten sogar Pause machen, die Rucksäcke abstellen und uns auf die Matten setzen. Das war Premiere bei dieser Wanderung! Wir fanden es herrlich, zwischendurch auch mal die Schuhe ausziehen und uns ausstrecken zu können. So kamen wir dann zufrieden in Fefor an. Das Fjellhotel ist wanderschön gelegen, mit Blick auf den See. Doch wir wollten noch ein Stück weiter. Die Straße am Feforvatnet entlang lief sich furchtbar. Zum ersten mal auf dieser Tour taten uns die Füße weh. Wir waren froh, als wir wieder auf einen Waldweg abbiegen konnten. Mitten im Wald suchten wir einen Zeltplatz. Er hatte zwar kein "Wasseranschluß" aber wir schliefen direkt auf weichem Moos! Bei Sonne schmeckte uns Suppe und Tee noch mal so gut!
Scheu oder neugierig?
Flechten
Im Gespensterwald.
Wasserwanderwege
Nässe von oben und unten!
Trotzdem ein Foto!
Blick auf verschneite Berge!
Pause und Ausziehen! Endlich mal!
Blick auf Feforvatnet
Unser 5. Wandertag begann endlich mal mit Sonne! Erstes Ziel war diesmal ein Bach - wegen der Morgentoilette! Die Wassertemperatur sorgte dafür, das wir frisch und neu den Wandertag angehen konnten! Wenn es bis hierher nur geringe Höhenunterschiede zu bewältigen galt, heute mußten wir von 885 m auf 1400 Höhenmeter hinauf. Die Lomma war anfangs unser plätschernder Begleiter, bis zur Baumgrenzeund weiter bis zur Haakon VII. Hütte (eine ganz einfache Schutzhütte). Oberhalb der Baumgrenze sahen wir auf dieser Wanderung (außer natürlich in Gala!) zum ersten Mal eine "Menschenansammlung". Eine Wandergruppe war auf dem Weg zur Hütte und zum Gipfel des Ruten. Der Ruten ist mit 1508 m der höchste Berg auf dieser Tour. Der Peer-Gynt-Stieg führt direkt daran vorbei.

Wir haben das sonnige Wetter genutzt und an der Hütte unsere Mittagspause eingelegt. Nebenbei beobachten wir die Wanderer, die nach oben wollen oder von oben kommen. Die einen schnaufen vor sich hin, die anderen kommen erzählend und lachend vorbei!

Wenig später reihen wir uns ein und schnaufen mit! Begeistert schauten wir bei jeder kurzen Verschnaufpause zurück und bewunderten das Panorama. Mittlerweile war es auch so spät, das uns fast niemand mehr folgte und auch nur noch wenige entgegenkamen. Trotzdem ließen wir den Ruten links liegen und wanderten zum Paß hinauf. Das war genau der Zeltplatz, den wir uns vorgestellt hatten!

Schnell war das Zelt aufgebaut, dann kletterten wir noch ein bisschen in den Bergen herum, bis zum Vesle Ruten mit 1480 Höhenmetern. Es war einfach herrlich da oben. So langsam aber sicher ging die Sonne unter. Dieses Schauspiel konnten und wollten wir uns nicht entgehen lassen. Angezogen und in unserern Schlafsäcken warteten wir auf den Sonnenuntergang. Wir wurden nicht enttäuscht!

Blick zum Rondane-Gebirge
Die Haakon VII. - Hütte
Blick zum Ruten
Wanderpause
Der 6. und letzte Wandertag war ein richtiger Sonnentag. Das erste Mal konnten wir in kurzen Hosen laufen. Die Jacke brauchten wir jedoch, denn der Wind war wie an der vorhergehenden Tagen eiskalt. Außerdem ging es fast nur bergab. Doch auch das war nicht so schlimm, wie gedacht. Bekanntlich läuft es sich bergab viel schwerer als bergauf, wenn dann noch der Rucksack nach unten drückt, wird`s noch schwerer. Doch der Peer-Gynt-Stieg geht schön gemächlich (meistens jedenfalls!) bergab. Kein Kniezittern oder sonstige Beschwerden! Wir hatten sogar Zeit, endlich ausführlich die vielen kleinen Blumen zu fotografieren. Das ist auch einfacher gesagt als getan, man hat ja immer den Rucksack auf dem Rücken! Runter kommt man gut, doch hoch wird es schwierig!! Man legt sich eine eigene Art und Weise des Herunterkommens zu. Ob`s gut aussieht...?!

Weiter unten begann dann wieder höhere Vegetation. Erst wurden die Büsche knie-, dann hüfthoch und schließlich hatten wir Bäume um uns. Und "Schmodder", also Sumpfflächen. Der ergiebige Regen der vergangenen Tage trug dazu bei, das auch hier unten die Wege unwegsam waren. Oft mußten wir nach oben ausweichen, um überhaupt durchzukommnen. Bis Dalseter kamen wir nur langsam vorwärts und am Ende konnten wir kein Wasser mehr sehen!

Eigentlich wollten wir unser Zelt an der Ruten Fjellstue aufstellen, doch das hat man uns nicht erlaubt. Was blieb uns wieter übrig, als im Wald ein nettes Plätzchen mit fließendem Wasser zu suchen. Natürlich haben wir etwas gefunden! Es sollte auch nicht weit weg von der Bushaltestelle sein, denn am nächsten Tag fuhr kurz nach 7.00 Uhr unser Bus. Auf diesem letzten Stück unserer Wanderung, konnten wir uns Zeit lassen und die Pilze vom Wegrand mitnehmen. Bisher mußten wir sie immer schweren Herzens stehen lassen, da ein Mitnehmen sinnlos war. Also gab es als Abschlußmenü Pilze -lecker!!

Wir träumen von der nächsten Tour!
Die Baumgrenze ist wieder erreicht
Das letzte Stück Weg!
Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus von Dalseter nach Segalstadbru und dann weiter zurück nach Skei. Diese Busfahrt war ein guter Abschluß der Tour, wir fuhren durch landschaftlich beeindruckende und vielseitige Gegenden. An allen Haltestellen hätte man aussteigen mögem, um weiter zu wandern. In Skei stand unser Auto wohlbehalten auf dem Parkplatz und wir konnten die Heimreise antreten.
Fazit dieser Tour:

Für uns war es die erste Rucksacktour. Wir hatten im Vorfeld zwar Bedenken, doch konnten wir sicher sein, bei großen Schwierigkeiten die Tour an verschiedenen Stellen abbrechen zu können. Andererseits waren wir auf weiten Strecken ganz allein und hatten so den Eindruck, abseits vom Alltag zu sein. Wir wollten ganz einfach mal ausprobieren, ob wir auch bald nicht mehr zu den Jugendlichen zählenden diese Herausforderung bewältigen könnten. Ganz sicher waren wir uns keineswegs, wir hatten keine Erfahrungen mit mehrtägigen Wanderungen.

Wir haben es geschafft, es war eine ideale Einsteigertour. Landschaftlich abwechslungsreich, wunderschön! Die Steigungen hielten sich in Grenzen, es war zu schaffen. Die kleinen Ortschaften vermittelten immer den Eindruck, im Notfall Hilfe zu haben. Trotzdem waren wir auf weiten Strecken ganz allein. Bis auf die Ruten-Etappe haben wir unterwegs nicht einen einzigen Menschen getroffen. Das hat uns gefallen!

Tourplanung: Wir hatten von Anfang an für die 75 km 6 Tage geplant. Wir waren allerdings unabhängig und hatten mehr Zeit. Vor Beginn der Wanderung hatten wir 3 Regentage, die wir in Skei "verwartet" haben. Unterkunft faden wir ohne Probleme im Rainbow-Hotel Skei und Skei-Appartement. Beide Einrichtungen vermieten auch Ferienhäuser, in denen man komfortabel wohnen kann. Den Einstieg hatten wir einen Tag vor Abmarsch erkundet. Es gibt auch andere Möglichkeiten, beispielsweise direkt über den Skeikampen. Wenn man gut trainiert ist und Wandererfahrung hat, eine prima Variante bei gutem Wetter. Durch unsere Wartezeit in Skei liefen wir erst dienstags los, hatten deshalb Zeit bis Sonntag, denn sonntags fährt der Bus nicht. Wir brauchten uns also nicht beeilen. Die letzte Etappe vom Ruten nach Dalseter hätten wir nämlich auch noch am Sonnabend geschafft. Der Bus fährt aber nur früh 7.00 Uhr von Montag bis Samstag.

Übernachtungen: Wir hatten vor, nur im Zelt zu übernachten. Man hätte auch in den jeweiligen Fjellhotels oder Fjellstue übernachten können. Dann hätte sich das Gepäck erheblich reduziert, denn Zelt, Matte, Schlafsack, warme Notsachen und etliches an Proviant wären weggefallen. Für den Herbst oder das Frühjahr finde ich diese Variante gar nicht schlecht!

Verpflegung: Verpflegung für 4 Tage hatten wir mit, man muss auf jeden Fall mit schlechtem Wetter rechnen. Müsli sollte unser Frühstück sein, doch wir sind auf " Brödli" umgestiegen, irgendwie sind wir keine "Müsli-Typen". Instandnudeln mit Tomatemsuppe sind schnell und Energiesparend zubereitet. Reis und Beutelsuppen brauchen zwar länger, haben uns aber besser geschmeckt. Das Angebot an Instandsuppen, die man aufwerten kann, ist groß. Für Zwischendurch hatten wir uns mit Studentenfutter und Müsliriegel eingedeckt. Beides hat uns geschmeckt. Wir haben jedoch festgestellt, das wir unterwegs gar keinen großen Hunger hatten. Deshalb haben wir wenig verbraucht. Auch abends hielt sich der Hunger in Grenzen. Nach dem 2. Tag haben wir regelmäßig getrunken, denn durch das kalte nasse Wetter hatten wir keinen Durst. Beides war entgegen unserer bisherigen Erfahrungen und hat uns erstaunt.

Ausrüstung: Wir hatten eine ganz normale Ausrüstung. Auf jeden Fall sollte man wasserdichte Jacken, Hosen und Wanderstiefel haben. Wir haben es gebraucht. Froh waren wir auch, das wir die dicke lange Unterwäsche mit hatten. Bei Nachttemperaturen um 5° c ist es angenehm sie nachts zu tragen! Unser Schlafsack (schon ein älteres Modell) stieß nämlich an seine Grenzen! In der letzten Nacht haben wir sie zusammengezippert - was man ja nicht machen soll - und siehe da, es ist wärmer, wenn man sich gegenseitig noch ein bisschen wärmt. Man soll eben nicht alles glauben, was Spezialisten schreiben. Wir würden es immer wieder tun! Und hilft es wirklich nicht, friert man wenigstens zu zweit und nicht so alleine!

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